Vor Beginn der neuen Saison gibt es nachfolgend ein langes Interview mit dem Kapitän der 1. Herren, Marcel Mörsch. Frisch operiert laboriert er derzeit an seinem maladen Knie, hofft aber in 2 - 3 Wochen wieder topfit zu sein.
Lass uns zunächst nochmal über die letzte Saison reden. Es fing durch die schwere Erkrankung von Trainer Peter Schrills ja schon schlecht an. Ihr musstet die Vorbereitung alleine durchziehen.
Die plötzliche Erkrankung von Peter hat uns alle überrascht und geschockt. Die vergangene Saison begann absolut schlecht für uns, wobei ich sagen muss, dass die Vorbereitung sehr gut verlief. Obwohl wir ohne Coach da standen, haben alle optimalen Einsatz und die nötige Disziplin gezeigt. Dies spiegelte sich auch in den Vorbereitungsspielen wieder. Alle Testspiele wurden gewonnen u. a. gegen Essen und Assenheim. Leider haben wir diesen Schwung und vor allem den Nötigen Biss verloren als es um die Punkte ging.
Die Saison lief dann von Beginn an nicht wie gewünscht. Mal hatte man Pech, mal stand man völlig neben sich und hat die Punkte ohne große Gegenwehr abgegeben. Wie kann sowas sein?
Klar hatten wir auch wenig Glück, aber wenn es einmal Berg ab geht, kommt eins zum anderen und das Glück ist in solchen Zeiten nicht dein Freund. Auch Glück muss man sich erarbeiten und das haben wir nicht getan.
Mit der Mannschaft der letzten Saison waren ja die meisten Fans davon ausgegangen, dass ihr das Erreichen der Play-Offs nur als Zwischenstation angeht. Aber kaum einer hat seinen Level in der letzten Saison erreicht. Die meisten nicht mal annähernd. Sind einige vielleicht schon zu satt? Oder nicht mehr richtig bei der Sache?
Da gebe ich dir Recht. Die Mannschaft die vor Saisonbeginn auf dem Papier stand, hätte auf jeden Fall die Play-Offs erreichen müssen. Von satt kann ja keine Rede sein! Den einzigen Titel mit dem sich die Chiefs brüsten können, ist der des Pokalsiegers 2005. In dem damaligen Kader waren nur knapp die Hälfte aller Akteure der vergangenen Saison vertreten. Mit anderen Worten wurde wenig bis nichts erreicht.
Es trifft eher zu, dass man nicht richtig bei der Sache war. Einzelne Spieler waren zu sehr mit sich, dem persönlichen Erfolg und Kindergartenallüren beschäftigt. Wir waren einfach kein Team. Wenn man nicht als Team auftritt, kann man in der dieser Liga nicht bestehen (auch wenn man gute Einzelspieler hat).
Dann kam der Wechsel zu Gerry Elesen. Aber er hatte zunächst auch keine in Ergebnissen messbaren Erfolge.
Das geht auch nicht so einfach. Trainer und Mannschaft waren sich nicht bekannt. Klar kannte Gerry vereinzelnd Spieler der Chiefs, doch wusste er nicht, welche Charaktere sich hinter ihnen verbargen. Umgekehrt genauso. Man musste sich erst mal beschnuppern. Außerdem fand Gerry einen stark angeschlagenen, teils willenlosen Haufen vor. Einen solchen umzukrempeln ist nicht einfach. Alsbald harmonierten Team und Trainer aber sehr gut. Zudem brachte Gerry noch ein paar Landsleute mit die die Mannschaft spielerisch verstärkten und wichtig für den Teamgeist waren.
Dann kamen die ersten Siege, wieder die Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt. Und dann die Spaichingen-Sache. Letzten Endes haben die Chiefs die Sache ergebnislos auslaufen lassen, obwohl sie eindeutig im Recht waren. Was sagst Du zu dem Fall?
Da möchte ich mich nicht tiefgehend zu äußern. Ich weiß, dass wir zu diesem Spieltermin einen extrem hohen Krankenstand hatten und dass zusätzlich einige Spieler beruflich verhindert waren. Atteste die das belegten, lagen auch vor. Letztendlich ging es wohl um eine Frist, die nicht eingehalten wurde. So was hat immer einen faden Beigeschmack. Im Nachhinein hoffe ich, dass diese Sache den Beziehungen zwischen den Chiefs, Spaichingen und der ISHD nicht geschadet hat.
Wenn man sich die Bilanz ansieht, bleiben nur vier Heimsiege und ein (!!) Auswärtssieg. Von den Top-Teams wurde nur Schwabmünchen geschlagen. Alles andere als eine gute Bilanz, oder?
Natürlich ist das viel zu wenig wenn man oben mitspielen möchte. Das wir zu mehr im Stande waren haben wir z. B. in Schwabmünchen gezeigt. Viele Teams haben uns nach den Spielen (ob Sieg oder Niederlage) gesagt, dass der Tabellenstand nicht unser Leistung entspricht – dafür kannst du dir allerdings nichts kaufen.
Mit führend wart ihr dagegen bei den roten Karten. Vier Stück in einer Saison. Gerechtfertigt? Oder laufen die Chiefs nach wie vor ihrem schlechten Ruf hinterher?
Ich denke nicht, dass wir noch einen schlechten Ruf was die Disziplin angeht haben. Die Zeiten sollten vorbei sein. Wenn man bedenkt, wie die Karten zu Stande gekommen sind, relativiert sich die hoch erscheinende Anzahl auch. Ich bin der Meinung, dass 50 % der roten Karten nicht gerechtfertigt waren. Damit spreche ich die Karte an, die mich persönlich betraf , und die, die Benni Meschke im Spiel gegen Iserlohn kassierte, als er gewürgt wurde und lediglich versuchte sich aus dem Schwitzkasten des gegnerischen Trainers zu befreien.
Unter dem Strich seid ihr ja noch mit einem blauen Auge aus der Jahr rausgekommen. Im Pokal folgte dann die Kür mit dem knappen Aus gegen Köln. Was für ein Spiel! Warum konntet ihr solche Leistungen nicht immer abrufen?
Weil wir vorher nicht als Team aufgetreten sind. Wenn man gegen Köln gewinnen will, muss alles stimmen und trotzdem noch ein Quäntchen Glück hinzukommen. In diesem Spiel hat alles gestimmt nur das Glück hat am Ende gefehlt. Trotzdem hat das Spiel das Potential der Chiefs gezeigt und was möglich ist wenn man als geschlossene Einheit auftritt.
Nicht nur in der letzten Saison, sondern auch schon in vielen Jahren zuvor fällt auf, dass man als Fan der Chiefs niemals „beruhigt“ zum Spiel kommen kann. Es gibt selbst gegen vermeintlich schwächere Teams nur selten deutliche Siege, wogegen z.B. die Kölner die meisten solcher Siege leicht und meistens mit mindestens einem halben Dutzend Toren Vorsprung gewinnen. Unterschätzt ihr die vermeintlich „Kleinen“?
Niemand wird unterschätzt. Es gibt auch keine leichten Spiele mehr, im Prinzip kann jeder überall Federn lassen. Wenn ein vermeintlicher Underdog nur auf Konter spielt und sich mit vier Mann hinten rein stellt, ist dass auch nicht einfach. Köln ist natürlich eine absolute Spitzenmannschaft, die schon seit Jahren in dieser Form erfolgreich zusammen spielt. Ich hoffe und glaube, dass wir mittlerweile soweit zusammengewachsen sind, dass wir ähnlich Konstant spielen können.
Was auch auffällt, ist, dass bei anderen Teams der Nachwuchs Stück für Stück in den Kader aufrückt und diesen auch verstärkt. Bei den Chiefs ist Benni Aumann der Einzige, der in all den Jahren den Sprung geschafft hat. Für die neue Saison steht kein weiterer Nachwuchsmann in eurem Kader. Ist der Sprung zu groß? Oder sind die Jungs zu schlecht?
Es muss noch viel im Nachwuchsbereich gearbeitet werden. Insbesondere ist es wichtig, eine vernünftige zweite Herrenmannschaft auf die Beine zu stellen, damit der Nachwuchs an den Seniorenbereich herangeführt werden kann. Wir haben einige talentierte Spieler im Nachwuchsbereich, doch der Sprung von den Junioren zu den Herren ist gewaltig.
Dazu muss man sagen, dass alle Nachwuchsteams in diesem Jahr aus der 1. Liga abgestiegen sind. Trotz eines massiven Zulaufs im Kinderbereich. Sind die Chiefs einfach noch nicht so weit? Oder könnte man hier auch noch an der Nachwuchsarbeit etwas verbessern?
Wie gesagt, es muss noch sehr viel getan und verbessert werden. Man benötigt adäquates Trainerpersonal und Jungs die wirklich wollen. Fehlt eins von beiden, bleibt der Erfolg aus. Wenn ich mir mal ein Nachwuchstraining anschaue, sehe ich nur wenig Jungs, die mit Biss zur Sache gehen und sich wirklich verbessern wollen.
An die Jungs gerichtet kann ich nur sagen: Gebt immer Alles und versucht euch ständig zu verbessern – ansonsten setzt eure Zeit und die eurer Eltern sinnvoller ein!
Damit sind wir im neuen Jahr. Die wichtigste Frage vorweg: Wie viel Angst hat Kaarst?
Ich weiß nicht ob man da von Angst reden sollte. Kaarst wird uns mit Sicherheit nicht unterschätzen. Auf dem Papier sind wir stärker. Das das nichts bedeuten muss haben wir letzte Saison gesehen. Da waren wir auf dem Papier auch stärker als so mancher Gegner der uns bezwingen konnte. Trotzdem sehen wir uns als Favorit in diesem Derby.
Das Gesicht der Südgruppe hat sich nun ja ein wenig verändert. Wie schätzt Du die neuen Gegner ein?
Ich freue mich auf die Begegnungen gegen Kaarst. Wie gesagt schätze ich uns stärker ein, doch solche Derbys haben ihre eigenen Regeln. Es werden bestimmt interessante Spiele.
Gegen Atting haben wir auf einem Turnier in Aachen gespielt. Dort haben sie sich spielerisch schwach präsentiert. Allerdings weiß ich nicht ob der volle Mannschaftskader anwesend war. Gerüchten zu Folge sollen sie bei Heimspielen auf Eishockeyspieler zurückgreifen.
Ihr geht diese Saison erstmals auch in der Vorbereitung mit Gerry Elesen an. Man hat gelesen, dass er auch ein Angebot von Lüdenscheid hatte, aber er scheint ja seine Vorstellungen in Uedesheim umsetzen zu wollen. Erzähl uns was über ihn und über die bisherige Vorbereitung.
Ich bin sehr froh, dass es kein Verein geschafft hat Gerry abzuwerben. Sowohl auf dem Platz als auch neben dem Spielfeld gibt er immer 100 %. Er geht auf jeden Spieler individuell ein und ist ein guter Motivator, der die Spieler erreicht. Er hat es geschafft, aus den vielen Einzelspielern ein Team zu bilden und somit die Basis für kommende Erfolge geschaffen.
Man kann mit Gerry sehr viel lachen und rumalbern, doch auf dem Platz verlangt er volle Konzentration und vollen Einsatz. Diese Mischung ist genau die richtige für uns denn wir wollen neben dem Erfolg auch Spaß am Hockey haben.
Gerry ist ein sehr guter Trainer und Freund und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.
Kommen wir zu den Neuzugängen. John Versteeg gefällt mit guten Statistiken. Max Rejhon ebenso, allerdings nur in der Regionalliga. Denis Nimako kennen die älteren Fans schon „von früher“. Und Peter van Biezen ist für alle eine Wundertüte. Verstärken alle vier das Team?
Wir würden keinen ins Team holen, der uns nicht weiterbringt. Ich habe Denis Nimako lange nicht mehr spielen sehen. Ich habe ihn als laufstarken Allrounder kennen gelernt. Wenn er fit ist kann er sehr wertvoll für uns sein. Peter van Biezen kenne ich nicht aber der Trainer hält große Stücke auf ihn. Die andern zwei werden definitiv zu den Leistungsträgern des Teams zählen.
Der Kader ist für die neue Saison relativ groß. Bewertest Du das eher positiv oder gibt das nicht besonders bei den Spielern aus der „2. Reihe“ nur neues Potential für Querelen?
Ich sehe das sehr positiv. Man muss bedenken, dass Hausmann und Meschke noch Sperren aussitzen müssen. Dann wird es wie jede Saison Spieler geben die sich verletzen, erkranken oder aus beruflichen Gründen verhindert sind. In solchen Situationen kann ein großer Kader nur hilfreich sein. Zudem kommt der interne Konkurrenzkampf. Keiner hat seinen Platz sicher – die Besten spielen. Daher ist jeder Spieler gezwungen im Training und im Spiel Vollgas zu geben. Spieler die das nicht akzeptieren sind fehl am Platz, denn es zählt nur der Erfolg der Mannschaft.
Wie kommt ihr mit den Spielern zurecht, die Gerry Elesen aus Holland mitgebracht habt? Versteht man sich gut oder ist das eher eine Zweckgemeinschaft?
Sie gehören zum Team und das ist auch gut so. Sie sind gute Spieler und alle super Charaktere. Außerdem bringen sie etwas mehr Reife in die Mannschaft und haben eine vorbildliche Einstellung. Von Zweckgemeinschaft kann da keine Rede sein.
Insgesamt kann man sagen, dass der „Transfermarkt“ im Skaterhockey besonders in der Spitze doch recht klein ist. Die meisten Topspieler – so wie Du – bleiben ihrem Verein lange treu. Gibt’s da keine Chance für die Chiefs mal ein paar richtige Kracher zu verpflichten und damit á la FC Bayern evtl. auch mal die direkte Konkurrenz zu schwächen?
Ich denke, dass wir den ein oder andern richtigen Kracher verpflichtet haben. Allerdings wurde dadurch die Konkurrenz nicht geschwächt. Um namenhafte Spieler der 1.Liga zu locken muss sich erstmal ein gewisser Erfolg einstellen. Vielleicht nächstes Jahr.
Mit der aktuellen Mannschaft - was ist euer Ziel für die neue Saison? Auf dem Feld und besonders auch in der Tabelle?
Ich weiß, dass wir über eine Mannschaft verfügen, die ganz oben mitspielen kann. Die Play-Offs sollten Pflicht sein. Dann sehen wir weiter.
Und was wollt ihr machen, um endlich mal wieder mehr Zuschauer in den „ChiefsGarden“ zu ziehen? Hier sind die Zahlen seit Jahren ja auch nicht grade besonders.
Wenn wir den Fans attraktives Hockey bieten und oben mitspielen, werden sie auch gerne wieder kommen. Außerdem soll die Öffentlichkeitsarbeit erhöht werden, um neue Fans zu gewinnen.
Wie schaut’s bei Dir persönlich aus? Mit 32 Jahren hast Du nicht mehr so lange Zeit, um Meister zu werden.
Da hast du mich an meinem wunden Punkt getroffen! Aber du hast natürlich Recht, dass ich mit 32 nicht mehr der Jüngste im Skaterhockey-Geschäft bin. Allerdings kann ich von der Fitness her noch gut mit den jüngeren Spielern mithalten. Mal sehen wie lang noch.
Klar würde ich gerne noch eine Meisterschaft einfahren und werde dafür auch weiterhin alles geben.
Stichwort Nationalmannschaft. Bei der EM seid ihr weit hinter den Zielen zurückgeblieben. Das kanntest Du ja schon aus dem Verein. Aber die Qualität der Spieler ist dort ja ungleich höher. Wie kam es dazu?
Wir waren vier gegen vier die beste Mannschaft des Turniers, aber in Über- und Unterzahl haben wir versagt. Mit Sascha Wilson hat uns auch ein extrem wichtiger Spieler gefehlt. Ich hoffe, dass es bei der nächsten EM wieder besser läuft und dass ich meinen Teil dazu beitragen darf.
Wie ist Dein Standpunkt zur Debatte um Manfred Schmitz? Der ist auf sanften Druck hin in Duisburg zurückgetreten um jetzt nur noch die Nationalmannschaft zu trainieren.
Ich weiß nicht, ob da ein sanfter Druck ausgeübt wurde und wenn ja aus welchen Gründen und von wem. Davon habe ich nichts mitbekommen.
Es ist natürlich nicht einfach Trainer einer Vereinsmannschaft und gleichzeitig der Nationalmannschaft zu sein. Es ist anstrengend und zeitaufwendig und man kann da leicht in eine Zwickmühle geraten. Seit dem ich dem Nationalteam angehöre kann ich sagen, dass Manfred Schmitz immer klar zwischen Duisburg und Deutschland getrennt hat und dass die vielen Erfolge eine gute Arbeit wieder spiegeln.
Ich begrüße es, dass er sich für die Nationalmannschaft entschieden hat aber für Duisburg ist es natürlich ein Verlust.
OK, Mace, danke das Du Dir ein wenig Zeit genommen hast. Willst Du den Fans noch ein paar Worte mit auf den Weg geben?
Erstmal möchte ich mich bei denen bedanken, die trotz vieler schwacher Vorstellungen in der vergangenen Saison zu uns gehalten haben und immer wieder gekommen sind.
Ich kann euch zwar nicht versprechen, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber ich verspreche euch, dass wir als Team auftreten und jedes Spiel ALLES geben werden.
Wir sehen uns im Chiefs-Garden!
Mace
Lass uns zunächst nochmal über die letzte Saison reden. Es fing durch die schwere Erkrankung von Trainer Peter Schrills ja schon schlecht an. Ihr musstet die Vorbereitung alleine durchziehen.
Die plötzliche Erkrankung von Peter hat uns alle überrascht und geschockt. Die vergangene Saison begann absolut schlecht für uns, wobei ich sagen muss, dass die Vorbereitung sehr gut verlief. Obwohl wir ohne Coach da standen, haben alle optimalen Einsatz und die nötige Disziplin gezeigt. Dies spiegelte sich auch in den Vorbereitungsspielen wieder. Alle Testspiele wurden gewonnen u. a. gegen Essen und Assenheim. Leider haben wir diesen Schwung und vor allem den Nötigen Biss verloren als es um die Punkte ging.
Die Saison lief dann von Beginn an nicht wie gewünscht. Mal hatte man Pech, mal stand man völlig neben sich und hat die Punkte ohne große Gegenwehr abgegeben. Wie kann sowas sein?
Klar hatten wir auch wenig Glück, aber wenn es einmal Berg ab geht, kommt eins zum anderen und das Glück ist in solchen Zeiten nicht dein Freund. Auch Glück muss man sich erarbeiten und das haben wir nicht getan.
Mit der Mannschaft der letzten Saison waren ja die meisten Fans davon ausgegangen, dass ihr das Erreichen der Play-Offs nur als Zwischenstation angeht. Aber kaum einer hat seinen Level in der letzten Saison erreicht. Die meisten nicht mal annähernd. Sind einige vielleicht schon zu satt? Oder nicht mehr richtig bei der Sache?
Da gebe ich dir Recht. Die Mannschaft die vor Saisonbeginn auf dem Papier stand, hätte auf jeden Fall die Play-Offs erreichen müssen. Von satt kann ja keine Rede sein! Den einzigen Titel mit dem sich die Chiefs brüsten können, ist der des Pokalsiegers 2005. In dem damaligen Kader waren nur knapp die Hälfte aller Akteure der vergangenen Saison vertreten. Mit anderen Worten wurde wenig bis nichts erreicht.
Es trifft eher zu, dass man nicht richtig bei der Sache war. Einzelne Spieler waren zu sehr mit sich, dem persönlichen Erfolg und Kindergartenallüren beschäftigt. Wir waren einfach kein Team. Wenn man nicht als Team auftritt, kann man in der dieser Liga nicht bestehen (auch wenn man gute Einzelspieler hat).
Dann kam der Wechsel zu Gerry Elesen. Aber er hatte zunächst auch keine in Ergebnissen messbaren Erfolge.
Das geht auch nicht so einfach. Trainer und Mannschaft waren sich nicht bekannt. Klar kannte Gerry vereinzelnd Spieler der Chiefs, doch wusste er nicht, welche Charaktere sich hinter ihnen verbargen. Umgekehrt genauso. Man musste sich erst mal beschnuppern. Außerdem fand Gerry einen stark angeschlagenen, teils willenlosen Haufen vor. Einen solchen umzukrempeln ist nicht einfach. Alsbald harmonierten Team und Trainer aber sehr gut. Zudem brachte Gerry noch ein paar Landsleute mit die die Mannschaft spielerisch verstärkten und wichtig für den Teamgeist waren.
Dann kamen die ersten Siege, wieder die Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt. Und dann die Spaichingen-Sache. Letzten Endes haben die Chiefs die Sache ergebnislos auslaufen lassen, obwohl sie eindeutig im Recht waren. Was sagst Du zu dem Fall?
Da möchte ich mich nicht tiefgehend zu äußern. Ich weiß, dass wir zu diesem Spieltermin einen extrem hohen Krankenstand hatten und dass zusätzlich einige Spieler beruflich verhindert waren. Atteste die das belegten, lagen auch vor. Letztendlich ging es wohl um eine Frist, die nicht eingehalten wurde. So was hat immer einen faden Beigeschmack. Im Nachhinein hoffe ich, dass diese Sache den Beziehungen zwischen den Chiefs, Spaichingen und der ISHD nicht geschadet hat.
Wenn man sich die Bilanz ansieht, bleiben nur vier Heimsiege und ein (!!) Auswärtssieg. Von den Top-Teams wurde nur Schwabmünchen geschlagen. Alles andere als eine gute Bilanz, oder?
Natürlich ist das viel zu wenig wenn man oben mitspielen möchte. Das wir zu mehr im Stande waren haben wir z. B. in Schwabmünchen gezeigt. Viele Teams haben uns nach den Spielen (ob Sieg oder Niederlage) gesagt, dass der Tabellenstand nicht unser Leistung entspricht – dafür kannst du dir allerdings nichts kaufen.
Mit führend wart ihr dagegen bei den roten Karten. Vier Stück in einer Saison. Gerechtfertigt? Oder laufen die Chiefs nach wie vor ihrem schlechten Ruf hinterher?
Ich denke nicht, dass wir noch einen schlechten Ruf was die Disziplin angeht haben. Die Zeiten sollten vorbei sein. Wenn man bedenkt, wie die Karten zu Stande gekommen sind, relativiert sich die hoch erscheinende Anzahl auch. Ich bin der Meinung, dass 50 % der roten Karten nicht gerechtfertigt waren. Damit spreche ich die Karte an, die mich persönlich betraf , und die, die Benni Meschke im Spiel gegen Iserlohn kassierte, als er gewürgt wurde und lediglich versuchte sich aus dem Schwitzkasten des gegnerischen Trainers zu befreien.
Unter dem Strich seid ihr ja noch mit einem blauen Auge aus der Jahr rausgekommen. Im Pokal folgte dann die Kür mit dem knappen Aus gegen Köln. Was für ein Spiel! Warum konntet ihr solche Leistungen nicht immer abrufen?
Weil wir vorher nicht als Team aufgetreten sind. Wenn man gegen Köln gewinnen will, muss alles stimmen und trotzdem noch ein Quäntchen Glück hinzukommen. In diesem Spiel hat alles gestimmt nur das Glück hat am Ende gefehlt. Trotzdem hat das Spiel das Potential der Chiefs gezeigt und was möglich ist wenn man als geschlossene Einheit auftritt.
Nicht nur in der letzten Saison, sondern auch schon in vielen Jahren zuvor fällt auf, dass man als Fan der Chiefs niemals „beruhigt“ zum Spiel kommen kann. Es gibt selbst gegen vermeintlich schwächere Teams nur selten deutliche Siege, wogegen z.B. die Kölner die meisten solcher Siege leicht und meistens mit mindestens einem halben Dutzend Toren Vorsprung gewinnen. Unterschätzt ihr die vermeintlich „Kleinen“?
Niemand wird unterschätzt. Es gibt auch keine leichten Spiele mehr, im Prinzip kann jeder überall Federn lassen. Wenn ein vermeintlicher Underdog nur auf Konter spielt und sich mit vier Mann hinten rein stellt, ist dass auch nicht einfach. Köln ist natürlich eine absolute Spitzenmannschaft, die schon seit Jahren in dieser Form erfolgreich zusammen spielt. Ich hoffe und glaube, dass wir mittlerweile soweit zusammengewachsen sind, dass wir ähnlich Konstant spielen können.
Was auch auffällt, ist, dass bei anderen Teams der Nachwuchs Stück für Stück in den Kader aufrückt und diesen auch verstärkt. Bei den Chiefs ist Benni Aumann der Einzige, der in all den Jahren den Sprung geschafft hat. Für die neue Saison steht kein weiterer Nachwuchsmann in eurem Kader. Ist der Sprung zu groß? Oder sind die Jungs zu schlecht?
Es muss noch viel im Nachwuchsbereich gearbeitet werden. Insbesondere ist es wichtig, eine vernünftige zweite Herrenmannschaft auf die Beine zu stellen, damit der Nachwuchs an den Seniorenbereich herangeführt werden kann. Wir haben einige talentierte Spieler im Nachwuchsbereich, doch der Sprung von den Junioren zu den Herren ist gewaltig.
Dazu muss man sagen, dass alle Nachwuchsteams in diesem Jahr aus der 1. Liga abgestiegen sind. Trotz eines massiven Zulaufs im Kinderbereich. Sind die Chiefs einfach noch nicht so weit? Oder könnte man hier auch noch an der Nachwuchsarbeit etwas verbessern?
Wie gesagt, es muss noch sehr viel getan und verbessert werden. Man benötigt adäquates Trainerpersonal und Jungs die wirklich wollen. Fehlt eins von beiden, bleibt der Erfolg aus. Wenn ich mir mal ein Nachwuchstraining anschaue, sehe ich nur wenig Jungs, die mit Biss zur Sache gehen und sich wirklich verbessern wollen.
An die Jungs gerichtet kann ich nur sagen: Gebt immer Alles und versucht euch ständig zu verbessern – ansonsten setzt eure Zeit und die eurer Eltern sinnvoller ein!
Damit sind wir im neuen Jahr. Die wichtigste Frage vorweg: Wie viel Angst hat Kaarst?
Ich weiß nicht ob man da von Angst reden sollte. Kaarst wird uns mit Sicherheit nicht unterschätzen. Auf dem Papier sind wir stärker. Das das nichts bedeuten muss haben wir letzte Saison gesehen. Da waren wir auf dem Papier auch stärker als so mancher Gegner der uns bezwingen konnte. Trotzdem sehen wir uns als Favorit in diesem Derby.
Das Gesicht der Südgruppe hat sich nun ja ein wenig verändert. Wie schätzt Du die neuen Gegner ein?
Ich freue mich auf die Begegnungen gegen Kaarst. Wie gesagt schätze ich uns stärker ein, doch solche Derbys haben ihre eigenen Regeln. Es werden bestimmt interessante Spiele.
Gegen Atting haben wir auf einem Turnier in Aachen gespielt. Dort haben sie sich spielerisch schwach präsentiert. Allerdings weiß ich nicht ob der volle Mannschaftskader anwesend war. Gerüchten zu Folge sollen sie bei Heimspielen auf Eishockeyspieler zurückgreifen.
Ihr geht diese Saison erstmals auch in der Vorbereitung mit Gerry Elesen an. Man hat gelesen, dass er auch ein Angebot von Lüdenscheid hatte, aber er scheint ja seine Vorstellungen in Uedesheim umsetzen zu wollen. Erzähl uns was über ihn und über die bisherige Vorbereitung.
Ich bin sehr froh, dass es kein Verein geschafft hat Gerry abzuwerben. Sowohl auf dem Platz als auch neben dem Spielfeld gibt er immer 100 %. Er geht auf jeden Spieler individuell ein und ist ein guter Motivator, der die Spieler erreicht. Er hat es geschafft, aus den vielen Einzelspielern ein Team zu bilden und somit die Basis für kommende Erfolge geschaffen.
Man kann mit Gerry sehr viel lachen und rumalbern, doch auf dem Platz verlangt er volle Konzentration und vollen Einsatz. Diese Mischung ist genau die richtige für uns denn wir wollen neben dem Erfolg auch Spaß am Hockey haben.
Gerry ist ein sehr guter Trainer und Freund und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.
Kommen wir zu den Neuzugängen. John Versteeg gefällt mit guten Statistiken. Max Rejhon ebenso, allerdings nur in der Regionalliga. Denis Nimako kennen die älteren Fans schon „von früher“. Und Peter van Biezen ist für alle eine Wundertüte. Verstärken alle vier das Team?
Wir würden keinen ins Team holen, der uns nicht weiterbringt. Ich habe Denis Nimako lange nicht mehr spielen sehen. Ich habe ihn als laufstarken Allrounder kennen gelernt. Wenn er fit ist kann er sehr wertvoll für uns sein. Peter van Biezen kenne ich nicht aber der Trainer hält große Stücke auf ihn. Die andern zwei werden definitiv zu den Leistungsträgern des Teams zählen.
Der Kader ist für die neue Saison relativ groß. Bewertest Du das eher positiv oder gibt das nicht besonders bei den Spielern aus der „2. Reihe“ nur neues Potential für Querelen?
Ich sehe das sehr positiv. Man muss bedenken, dass Hausmann und Meschke noch Sperren aussitzen müssen. Dann wird es wie jede Saison Spieler geben die sich verletzen, erkranken oder aus beruflichen Gründen verhindert sind. In solchen Situationen kann ein großer Kader nur hilfreich sein. Zudem kommt der interne Konkurrenzkampf. Keiner hat seinen Platz sicher – die Besten spielen. Daher ist jeder Spieler gezwungen im Training und im Spiel Vollgas zu geben. Spieler die das nicht akzeptieren sind fehl am Platz, denn es zählt nur der Erfolg der Mannschaft.
Wie kommt ihr mit den Spielern zurecht, die Gerry Elesen aus Holland mitgebracht habt? Versteht man sich gut oder ist das eher eine Zweckgemeinschaft?
Sie gehören zum Team und das ist auch gut so. Sie sind gute Spieler und alle super Charaktere. Außerdem bringen sie etwas mehr Reife in die Mannschaft und haben eine vorbildliche Einstellung. Von Zweckgemeinschaft kann da keine Rede sein.
Insgesamt kann man sagen, dass der „Transfermarkt“ im Skaterhockey besonders in der Spitze doch recht klein ist. Die meisten Topspieler – so wie Du – bleiben ihrem Verein lange treu. Gibt’s da keine Chance für die Chiefs mal ein paar richtige Kracher zu verpflichten und damit á la FC Bayern evtl. auch mal die direkte Konkurrenz zu schwächen?
Ich denke, dass wir den ein oder andern richtigen Kracher verpflichtet haben. Allerdings wurde dadurch die Konkurrenz nicht geschwächt. Um namenhafte Spieler der 1.Liga zu locken muss sich erstmal ein gewisser Erfolg einstellen. Vielleicht nächstes Jahr.
Mit der aktuellen Mannschaft - was ist euer Ziel für die neue Saison? Auf dem Feld und besonders auch in der Tabelle?
Ich weiß, dass wir über eine Mannschaft verfügen, die ganz oben mitspielen kann. Die Play-Offs sollten Pflicht sein. Dann sehen wir weiter.
Und was wollt ihr machen, um endlich mal wieder mehr Zuschauer in den „ChiefsGarden“ zu ziehen? Hier sind die Zahlen seit Jahren ja auch nicht grade besonders.
Wenn wir den Fans attraktives Hockey bieten und oben mitspielen, werden sie auch gerne wieder kommen. Außerdem soll die Öffentlichkeitsarbeit erhöht werden, um neue Fans zu gewinnen.
Wie schaut’s bei Dir persönlich aus? Mit 32 Jahren hast Du nicht mehr so lange Zeit, um Meister zu werden.
Da hast du mich an meinem wunden Punkt getroffen! Aber du hast natürlich Recht, dass ich mit 32 nicht mehr der Jüngste im Skaterhockey-Geschäft bin. Allerdings kann ich von der Fitness her noch gut mit den jüngeren Spielern mithalten. Mal sehen wie lang noch.
Klar würde ich gerne noch eine Meisterschaft einfahren und werde dafür auch weiterhin alles geben.
Stichwort Nationalmannschaft. Bei der EM seid ihr weit hinter den Zielen zurückgeblieben. Das kanntest Du ja schon aus dem Verein. Aber die Qualität der Spieler ist dort ja ungleich höher. Wie kam es dazu?
Wir waren vier gegen vier die beste Mannschaft des Turniers, aber in Über- und Unterzahl haben wir versagt. Mit Sascha Wilson hat uns auch ein extrem wichtiger Spieler gefehlt. Ich hoffe, dass es bei der nächsten EM wieder besser läuft und dass ich meinen Teil dazu beitragen darf.
Wie ist Dein Standpunkt zur Debatte um Manfred Schmitz? Der ist auf sanften Druck hin in Duisburg zurückgetreten um jetzt nur noch die Nationalmannschaft zu trainieren.
Ich weiß nicht, ob da ein sanfter Druck ausgeübt wurde und wenn ja aus welchen Gründen und von wem. Davon habe ich nichts mitbekommen.
Es ist natürlich nicht einfach Trainer einer Vereinsmannschaft und gleichzeitig der Nationalmannschaft zu sein. Es ist anstrengend und zeitaufwendig und man kann da leicht in eine Zwickmühle geraten. Seit dem ich dem Nationalteam angehöre kann ich sagen, dass Manfred Schmitz immer klar zwischen Duisburg und Deutschland getrennt hat und dass die vielen Erfolge eine gute Arbeit wieder spiegeln.
Ich begrüße es, dass er sich für die Nationalmannschaft entschieden hat aber für Duisburg ist es natürlich ein Verlust.
OK, Mace, danke das Du Dir ein wenig Zeit genommen hast. Willst Du den Fans noch ein paar Worte mit auf den Weg geben?
Erstmal möchte ich mich bei denen bedanken, die trotz vieler schwacher Vorstellungen in der vergangenen Saison zu uns gehalten haben und immer wieder gekommen sind.
Ich kann euch zwar nicht versprechen, dass wir jedes Spiel gewinnen, aber ich verspreche euch, dass wir als Team auftreten und jedes Spiel ALLES geben werden.
Wir sehen uns im Chiefs-Garden!
Mace

