Knapp zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit bebte der nahezu ausverkaufte „ChiefsGarden“. Marcel Mörsch hatte die Chiefs erstmals in Führung gebracht, mit 6:5, und der Einzug ins Pokalfinale war greifbar. Aber starke Kölner schafften noch den Ausgleich, erzwangen die Verlängerung und gingen nach packenden 80 Minuten als Sieger vom Feld. Mit 7:9 (2:3 / 1:1 / 3:2 / 0:1 / 1:2) hatten die Chiefs den Kürzeren gezogen.
Das Spiel begann unglücklich für Uedesheim. Gleich mit dem ersten Angriff brachte Müller die Gäste in Führung. Sein Flachschuss schlug flach im langen Eck ein (0:1 / 1. Minute). Aber das Tor schockte die Chiefs nicht, die Elesen-Truppe kämpfte sich rein in eine intensive Partie. Alleine vor dem Tor wollte es zunächst nicht klappen. Per Nachschuss traf Meyers in der 4. Minute zum 0:2. Bereits jetzt nahmen die Kölner das Tempo aus der Partie und agierten cool und überlegt aus einer gesicherten Defensive.
Es folgte das erste Überzahlspiel der Partie. Köln mit einem Mann mehr auf dem Feld, Müller völlig frei am langen Pfosten, keine Chance für Olli Derigs im Tor der Chiefs. Das 0:3 nach nur 14 Minuten. Aber auch das brach den Chiefs nicht das Genick. Kampf war Trumpf, aber auch die Kombinationen der Chiefs wurden nun gefährlicher. Christoph Clemens nutzte in der 16. Minute die erste Überzahl der Chiefs und verkürzte auf 1:3. In der 19. Minute traf Marcel Mörsch zum Pausenstand von 2:3 und brachte die Chiefs wieder auf Schlagdistanz heran. Im „ChiefsGarden“ war es nun und auch fortan derart laut, dass die Aktiven und auch die Unparteiischen nichtmal die Pausensirene hören konnten.
Das Mitteldrittel war stark von Taktik und klasse haltenden Keepern geprägt. Es gab schöne Spielzüge und Kombinationen auf beiden Seiten, Tore waren jedoch Mangelware im Mitteldrittel. Erneut Müller traf zunächst zum 2:4 (30.), André Ringl traf für die Chiefs zum 3:4 (35.). Spitz auf Knopf ging es in den Schlussabschnitt.
Und in diesem sollte der Ausgleich nicht lange auf sich warten lassen. Der starke Mörsch netzte zum 4:4 ein (43.) und brachte den „ChiefsGarden“ zum kochen. Mit viel Leidenschaft und Kampf hielten die Hausherren die Domstädter, die nach wie vor mit schnellen Kombinationen den Weg zum Tor suchten, in Schach. Erst als beide Teams dezimiert waren und somit viel Platz auf dem Feld war, klingelte es erneut.
Lange Sekunden kontrollierten die Kölner nach gewonnenen Bully die Kugel, es folgte ein präziser Schuss von Weisheit – das 4:5 in der 48. Minute. Für den Ausgleich war der Uedesheimer „Holland-Block“ zuständig. Kees Slagmolen, Stefan Collard und Manitas Demelinne bekamen den lauf- und kampfstarken Pascal Patten an die Seite gestellt. Und diese vier harmonierten auch in Überzahl gut. Demelinne war in der 49. Minute der freie Mann, der zum 5:5 traf.
Beide Teams spielten auch danach voll auf Sieg. Zwar vorsichtig, aber keinesfalls auf halten liefen auf die letzten 10 Minuten auf einem Niveau, wie man es zumindest von den Chiefs in dieser Saison lange nicht gesehen hat. Zweimal scheiterten die Gäste am Aluminium, und als grade die letzten beiden Minuten anbrachen, schlug Mörsch zu. Zwei Runden drehte der Uedesheimer Kapitän mit dem Ball ums Kölner Tor, dann ein Schuss durch Freund und Feind hindurch, und 115 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit hatten die Chiefs den Einzug ins Finale in greifbarer Nähe. Doch die Freude währte nur 17 Sekunden. Weisheit brach auf der linken Seite durch und schaffte den 6:6 Ausgleich (59.), der das Spiel in die Verlängerung schickte.
Jetzt waren beide Teams nicht mehr ganz so forsch unterwegs, keiner wollte den ersten Gegentreffer kassieren. Beim Schuss von Müller war Derigs auch dran, aber dem starken Uedesheimer Rückhalt fehlten vielleicht zwei Zentimeter, um das 6:7 zu verhindern (66.). Zu Beginn der zweiten Überzahlhälfte spielte den Gästen dann eine Uedesheimer Strafzeit in die Karten. Esser hämmerte die Kugel von der Mittellinie humorlos zum 6:8 in die Uedesheimer Maschen (74.).
Das Ende? Noch nicht, denn zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung beorderte Coach Gerry Elesen seinen Keeper zugunsten eines fünften Feldspielers auf die Bank. Eine Entscheidung, die zunächst fruchten sollte. Die Chiefs drückten auf den Anschluss und Clemens traf 68 Sekunden vor dem Ende zum 7:8 (79.). Danach ging es weiter mit fünf Feldspielern, aber ohne Torhüter. Als Weisheit 27 Sekunden vor dem Ende einen Aufbaupass abfing, hatte er somit wenig Mühe, für die Endgültige Entscheidung zu sorgen (7:9 / 80.).
Die Chiefs verloren damit nicht nur das Spiel, sondern auch noch Bernd Hausmann, der sich nach Spielende in einem Handgemenge vor dem Kölner Tor noch die rote Karte abholte. Die Fans der Chiefs waren aber trotz Niederlage zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft und verabschiedeten die Spieler mit Standing Ovations in die Winterpause. Die Kölner waren am Ende der glückliche, aber sicherlich auch nicht der unverdiente Sieger einer Partie, in der die Chiefs endlich mal wieder über die gesamte Spielzeit und darüber hinaus zeigten, zu was man in der Lage ist.
So sah es auch Elesen nach dem Spiel: „Eine bittere Niederlage. Wir waren nicht das schlechtere Team und haben eine gute Partie geboten. Aber Köln ist ein starker Gegner, sie haben nicht unverdient gewonnen.“ Wichtig war für den Coach, dass sein Team die schnellen Gegentore gut weggesteckt hat: “Nach dem 0:3 hätte es auch anders laufen können, aber wir haben Moral gezeigt. Am Ende waren wir nah dran, aber fangen doch noch den Ausgleich. Da hätten wir cleverer sein müssen.“
Worauf Elesen zu Recht stolz war, ist die Entwicklung der Mannschaft seit seiner Amtsübernahme: „Im Juni war die Mannschaft tot. Wir haben in Düsseldorf ein Spiel verloren, in dem wir uns fast kampflos hingegeben haben. Vergleich das mal mit heute. Da läuft jeder für den Anderen, alle pushen sich gegenseitig. Schade, dass wir uns heute nicht selbst dafür belohnen konnten.“ Aber an dieser Einstellung kann Elesen nun einen ganzen Winter mit seiner Mannschaft arbeiten, um dann im neuen Jahr wieder angreifen zu können. „Das heute war der Maßstab für die neue Saison“, so Elesen, der im nächsten Jahr nicht mehr um den Abstieg kämpfen, sondern die Chiefs zurück in die Spitzengruppe führen will.

